Vegan Reisen Israel

Vegan Guide Israel

Im Flugzeug, Thailand 2014: als ich noch nicht einmal im Ansatz an die Umsetzung einer Weltreise dachte, stand zumindest ein Entschluss fest: ich werde Israel besuchen! Grund war nicht etwa der gutaussehende junge Mann, der mir überschwänglich von seiner Heimat, dem Essen und dem Leben in Tel Aviv berichtet, sondern, dass ich während unseres Gesprächs etwas realisierte: Das kleine Land am Mittelmeer ist tatsächlich auch Heimat meiner Top 3 Lieblingsfrüchte. Und so sehe ich mich schon frische Mangos essen, unterm Feigenbaum sitzend mit Blick auf die von der Nachbarpalme fallenden Medjool-Datteln. Ach das Leben könnte so schön sein…Notiz an mich selbst: das nächste Mal sollte ich vor der Reise auch recherchieren, welche Früchte gerade Saison haben!


Und so endet meine Suche nach frischen Feigen und Mangos anstatt in unberührter Natur auf dem nächstgelegenen Markt. Die Reise nach Israel sollte dennoch eines der kulinarischen Highlights meiner bisherigen Reise werden.


Während Israel vor allem für politische Schlagzeilen bekannt sein dürfte, tauchen seit einigen Jahren immer wieder Artikel auf, die über Israel als das „veganstes Land der Welt“  berichten. Es ist zu lesen, wie ein virales Youtubevideo (von Gary Yourofsky) tausende Israelis über Nacht zum Umdenken ihres Essverhaltens bewegte. Ich muss zugeben, dass ich dies vorher weder gewusst, noch erwartet hatte, bevor ich meine Reise antrat.


Vegane Alternativen zu Lederstiefeln in der israelischen Armee scheinen heute  nämlich genauso selbstverständlich zu sein, wie die von der Fastfoodkette Dominos eigens für den israelischen Markt entwickelte vegane Pizza.


Israel ist ein Einwanderungsland und somit auch kulinarisch gesehen ein wahrer Schmelztiegel. So mischt sich jüdische Esskultur nicht nur besonders stark mit traditionellen Gerichten der arabischen Küche sondern mit denen aus aller Welt. Die langanhaltend hohen Temperaturen sorgen zudem für eine wahre Farbexplosion des Angebots an saisaonalem Obst und Gemüse auf den Märkten, das du dir auf deiner Reise auf keinen Fall entgehen lassen solltest.


Abgesehen davon gibt es so viele fleischlose Köstlichkeiten in Israel zu entdecken, die oft unabsichtlich bereits vegan  bzw. leicht zu adaptieren sind:


Herzhaftes

Falafel

Falafel Israel

 

Neben Hummus ist Falafel der wohl bekannteste und am weitesten verbreitete Snack im Land. Du findest die kleinen Bällchen  aus Kichererbsen wirklich an jeder Ecke, bekommst sie wahlweise als Beilage zu Hummus oder im Pitabrot, serviert mit Salat und Tahini-Dip (Sesam-Dip).  Wenn du Falafel nicht im Restaurant sondern im Straßenverkauf essen möchtest, orientiere dich am besten an der Warteschlage vorm Verkaufsstand: je mehr Leute davor stehen, desto wahrscheinlich bekommst du auch frisch ausgebackene Falafeln, knusprig von aussen und mit weichem Kern innen. Hmmm…

Hummus

In Israel ist es mir klargeworden: ein genüßliches Hmmmm! beim essen muss einfach in direkter Verbindung zum Wort Hummus stehen! Zu diesem Klassiker der arabischen Küche muss nicht mehr viel gesagt werden. Kichererbsen, Tahini, Zitronensaft…Hmmmmm! Never ending love!

Vegan Reisen Hummus

Brot

Als stabiler Bestandteil der israelischen Esskultur ist Brot allgegenwärtig. Vom simplen Pita über das rundgeformte Rosh-Ha-Shanah-Brot bis hin zum geflochtenen Shabbat Brot. Brot wird ein ständiger Begleiter deines Essens in Israel sein, es schmeckt aber auch verdammt gut. Leider handelt es sich fast ausschliesslich um die aus Weizenmehl hergestellte figurunfreundlichere Variante – also besser nicht übertreiben.

Msabbaha

Von einigen auch als Gourmet-Hummus bezeichnet ist Msabbaha (oder Masabacha) eine Hummus-Variante bei der warme Kichererbsen im Ganzen verarbeitet werden und gemeinsam mit Tahini, Zitronensaft, Petersilie und Kreuzkümmel (evtl. noch Knoblauch) eine cremig schmackhafte Liaison eingehen. Mit frischem Pitabrot genossen ein wahrer Traum!

Sabich

Sabich_telavivaffordabledining com

photo: http://www.telavivaffordabledining.com

Nach ihrem Lieblingsessen gefragt, bekomme ich von vielen Israels eine klare Antwort: Sabich! Grund genug, zu schauen, ob es nicht auch eine vegane Variante des beliebten Streetfoods gibt. Wieder einmal handelt es sich um ein gefülltes Pitabrot, diesmal jedoch mit knusprig gebratener Aubergine, gekochter Kartoffel, Gemüse und Salat, begleitet von einem cremigen Tahini-Dip sowie hartgekochtem Ei. Für die vegane Variante verzichtest du einfach auf die Zugabe von Ei – voila! Schon kannst du  auf die Frage nach deinem Lieblingsgericht hoffentlich auch bald voller Überzeugung mit Sabich! antworten.


Tipp: Das/den/die (?) liebevollst gemachte und beste Sabich in Tel Aviv findest du hier:

Sabich Tchernichovsky

Tchernichovsky 2, Tel Aviv

Sonntag-Donnerstag (10:00-20:30), Freitag (10:00-15:30), Samstag (geschlossen)

Preis: 17 ILS (ca. 4€)

Aubergine

Aubergine wird dir in Israel in vielfältiger Weise begegnen, ob in Form von Baba Ganoush, einem mit Tahini verfeinertem Dip, ob als Bestandteil von Sabich, oder  geröstet aus dem Ofen mit Olivenöl, Cranberries und Minze serviert. Wenn ich dir für EIN typisches Gemüse nennen müsste, wäre dies definitiv dieser lilafarbene Klassiker.


Tabbouleh

Mit viel Petersilie, Minze und Zitronensaft ist dieser ursprünglich libanesische Salat regelmäßig als komplettes Gericht oder als Beilage zu Hummus und Falafel zu finden. Bei sommerlichen Temperaturen ist Tabbouleh Wahl:  gesund, frisch und lecker!


Sambusak

Nach Vorbild der indischen Samosas wurden die kleinen frittierten Teigtaschen in die israelische Küche überführt. Als vegane Variante des ei-freien Gebäcks kannst du sie im Straßenverkauf häufig mit einer Füllung aus Kichererbsen und Gewürzen finden.

Linsen

In unterschiedlichsten Formen kommen Linsen als fester Bestandteil der israelischen Küche auf deinen Teller. Linsen werden als Salat oder Eintopf, kalt oder warm gegessen und sind in der kälteren Jahreszeit ein willkommenes Essen um Körper und Seele zu wärmen.

Vegan Essen Linsen Israel

Süßes


Süßspeisen sind im gesamten Nahen Osten nicht wegzudenken und auch in Israel sehr populär. Die Bäckereien sind voll mit unzähligen kleine Backwaren, Kuchen und Gebäck, die dir deinen Kaffee versüßen können. Die wenigsten davon sind jedoch vegan! In Tel Aviv gibt es allerdings bereits komplett vegane Bäckereien, sowie viele Restaurants und Cafes, die vegane Optionen anbieten (hier geht es zu meinem Artikel über veganes Essen in Tel Aviv)


Basbousa

Basbousa ist ein Kuchen, der aus Griess und Sirup hergestellt wird und in nahezu jeder Bäckerei zu finden ist. Dennoch empfiehlt es sich nachzufragen, da manchmal Butter verwendet wird.


Trockenfrüchte

frische Datteln IsraelEs bedarf tatsächlich nicht viel, um mich glücklich zu machen. Ein Besuch auf einer Dattelpalmen Plantage reicht vollkommen aus :-) Und da meine Passion für die kleinen süßen Dinger dort natürlich nicht unbemerkt blieb, durfte ich am Ende mit einem Geschenk von 5kg feinsten Bio Medjool Datteln nach Hause gehen. Oh happy day!

Falls du nicht gerade eine Plantage in Aussicht hast, schau dich auf Märkten und im Bioladen um, dort  findest du die besten Angebote an Trockenfrüchten. Datteln, Feigen, Beeren…

Obst

Ein Besuch auf lokalen Märkten gehört für mich in jedem Land zu den ersten Dingen auf meiner To-do Liste. Ich liebe die Atmosphäre, den Duft von Gewürzen und umgeben vom frischen Früchten durch die Gänge zu schlendern und erste Kontakte zur lokalen Bevölkerung zu knüpfen.


In Tel Aviv ist das nicht anderes. Der Shuk Ha’carmel (Carmel Market) ist der bekannteste und zentral gelegenste Markt und für jeden Besucher ein Muss! Kiloweisse Halva (eine reichhaltige, meist vegane Süßigkeit aus Sesam und Zucker), frischgepresste Säfte, Gewürze und exotisches Obst…Mit Geduld und ohne Erwartungen lasst euch einfach treiben. Mein Tipp, wenn ihr frisches Obst und Gemüse kaufen wollt: nicht sofort zuschlagen, denn je weiter ihr Richtung Ausgang kommt, desto günstiger wird das Angebot!


Übrigens: Vor Beginn des Shabbat kannst du die besten Schnäppchen ergattern! Der Markt schließt freitags am frühen Nachmittag und daher lohnt es sich, ein paar Stunden vor Marktschluss da zu sein. Beachte: am Shabbat Samstag bleibt der Markt geschlossen!

 

Collage HaCarmel

Frisches Obst, Gemüse und Halva (rechts) – das Angebot ist farbenfroh und köstlich.

Vegan Unterwegs in Israel

Nirgends ist es leichter vegan zu essen!


Gehe ich in Deutschland mit Freunden in ein x-beliebiges Restaurant essen, kann das oft in einem minutenlangen Dialog mit dem Kellner enden. Ei enthalten? Milch verwendet? – Vegane Gericht bleiben in den meisten Restaurants leider immer noch die Ausnahm, werden nur auf Nachfrage oder in abgespeckter Variante des Originalgerichts serviert. Sofern man nicht gerade ein Steakhaus anpeilt, würde dieses Szenario wohl so nur äußerst selten in Tel Aviv stattfinden.


Grund dafür ist unter anderem das Label „veganfriendly“. Mit diesem Logo erkennst du schon von weitem, welches Restaurant veganfreundliche Gerichte zu bieten hat. Hinter dieser Auszeichnung steckt eine 2012 gegründete Organisation, die Lokalitäten kennzeichnet, deren Angebot zu mindestens 30% aus pflanzenbasierten, also veganen Gerichten besteht – und davon gibt es allein in Tel Aviv bereits über 400 Stück (vegan Guide zu Tel Aviv? Hier entlang…)


Tipp: Auf http://vegan-friendly.co.il (in hebräisch und englisch) findest du unzählige vegane Möglichkeiten, von der Eisdiele über Pizzarien bis hin zu tierfreundlichen Fashionartikeln und Kosmetik. Diese umfangreiche Zusammenstellung macht es vegan und ökologisch bewusst konsumierenden Menschen unglaublich einfach, ihren Alltag auch in einem fremden Land wie gewohnt zu bestreiten. Für mich ganz klar ein Vorbild für den Rest der Welt!

Tel Aviv ist nicht gleich Israel


So viele Loblieder ich auch auf die Veganfreundlichkeit Israels singen könnte, so muss ich einräumen, dass sich das Paradies für Veganer v.a. auf  Tel Aviv konzentriert.


Da Tel Aviv für die meisten Besucher das Eintrittstor des Landes sein dürfte, kann man schnell dem Irrtum verfallen, dass die multikulturelle Metropole ein kulinarisches Spiegelbild des Landes darstellt. Dem ist leider nicht so. Tel Aviv ist modern, aufgeschlossen und das innovative Zentrum des Landes. Bereits im konservativen Jerusalem, der Hauptstadt Israels, merkt man deutlich, dass mehr Fleisch konsumiert wird und weniger vegane Optionen auf den Speisekarten zu finden sind. Im Rest des Landes kann es dann schonmal schwieriger werden, Sojamilch im Kaffee serviert zu bekommen.


Während meines 2-monatigen Besuchs habe ich besonders den Süden des Landes kennengelernt. Neben der Vielfalt an saisonalem Obst und Gemüse konnte ich sogar pflanzliche Milch und Tofu im Kühlregal der Supermärkte finden. Dennoch, im Vergleich zu den Städten bieten Restaurants ländlicherer Regionen ein deutlich eingeschränkteres Angebot für Veganer, oft ohne besondere Kennzeichnung. Hummus, Pita, Falafel und die oben beschriebenen Klassiker sollten jedoch immer zu finden sein.

Zum Schluss noch ein paar Restaurant-Ketten mit veganen Optionen, die ihr landesweit finden könnt:


Cofix / Coffizz

Cofizz

Die kleinen Kiosk-ähnlichen Coffeeshops sind im ganzen Land nicht zu übersehen und aufgrund des fixen Preises (alles für  5 ILS (ca. 1,20€)) sehr beliebt. Cofix ist die bequemste Wahl, wann immer dir nach einem Kaffee mit Sojamilch ist.


Alim Yerukim

In: Tel Aviv, Ramat Gan, Kfar Saba and Haifa.

Kaffeehauskette mit Snack- und Frühstücksoptionen und Salatbar.


Aroma

In: ganz Israel

Kaffeehauskette mit Snacks, Suppen und glutenfreien Varianten.


Cafe Greg

In: ganz Israel

Separates veganes Menü vorhanden. Frühstück bis Dinner.


Cafe Lavender

In: ganz Israel

Vegane Speisen sind auf der Karte gekennzeichnet, vom Frühstück bis Dinner und Dessert.


Cafe Joe

In: ganz Israel

Separates veganes Menü vorhanden, vom Frühstück bis Dinner.


Giraffe

In: ganz Israel

Küche: asiatische Gerichte und veganes Sushi.


Mike’s Place

In: Tel Aviv, Jerusalem, Eilat, Herzeliya

Küche: Mexikanisch. Einige Gerichte können auf Nachfrage veganisiert werden.


Tandoori

In: Tel Aviv, Jerusalem

Küche: Indisch


Vegetarian Shawarma

In: Tel Aviv Be’er Sheva, Haifa

Shawarma ist ein arabisches Fleischgericht, vergleichbar mit türkischem Döner. Das gefüllte Fladenbrot ist ein beliebter Imbiss in ganz Israel, wobei in der vegetarischen Variante das Fleisch mit geschnetzeltem Seitan ersetzt wird.

Ist kosher gleich vegan?

Viele Restaurants werben mit koscherer Zubereitung ihres Essens. Doch ist das gleichzeitig ein Indiz, dass auch vegane Speisen serviert werden? Leider nicht unbedingt. Der Begriff kosher bezeichnet unter anderem die strikte Trennung der Verarbeitungsschritte von Fleisch/Fleischprodukten und Milchprodukten. Eier und Fisch werden neutral gehandhabt. Koschere Restaurants werden also fleischhaltige ODER milchhaltige Gerichte servieren (es sei denn sie verfügen über zwei getrennte Küchen). Somit sind eine Vielzahl jüdischer (bzw. isralischer) Restaurants grundsätzlich vegetarisch (abgesehen vom Fisch).

Veganfreundlich?
Veganfreundlich?
Israel zählt zu den veganfreundlichsten Ländern der Welt. Zu recht!
Sojamilch & Co.
Sojamilch & Co.
Sojamilch gibt es fast überall! Oft kannst du im Restaurant sogar auch Mandel-, Hafer- und Reismilch wählen.

Abseits vom grandiosen Essens gibt es in diesem Teil der Erde noch so viel zu entdecken, dass ich sicher bin, dass mich dieses Stückchen Erde nicht das letzte Mal gesehen haben wird. Ich habe in der Zeit in Israel und Palästina so viel gelernt, kulturell, historisch und kulinarisch, habe Bekanntschaft mit einem Rettungsschwimmer vom Toten Meer gemacht, herausgefunden dass Koogle das koschere Pendant zu Google ist und habe Neujahr mitten im September gefeiert.


Ich komme gern wieder! Bis dahin träume ich weiter von frischen Mangos unterm Feigenbaum…

 

Mein Buchtipp zur Einstimmung auf deine Reise nach Israel ist „Israel – Ein Länderporträt“. Die Autorin Ruth Kinet erzählt in angenehm leichter Weise von historischen und politischen Hintergründen, von Religion und Kindererziehung, vielen Kuriositäten sowie dem Alltag der Menschen. Durch zahlreiche Anekdoten von 5 Jahren in Israel, vermittelt die die Autorin ein tieferes Verständnis für Land und Leute und liefert Fakten, die oft über die mediale Berichterstattung hinausgehen. Viel besser als jeder Reiseführer!

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