Vegan Guide Kambodscha

Vegan Guide Kambodscha

Kambodscha stand schon sehr lange weit oben auf meiner Reiseliste. Als ich vor 2 Jahren meinen ersten Solo-Trip nach Thailand plante, wollte ich unbedingt auch einen Abstecher ins Nachbarland machen um Angkor Wat zu sehen. Die Tempelanlage, von der jeder Asienreisende spätestens nach der Verfilmung von Tomb Raider spricht. Dann kreuzten jedoch Thailands Strände meinen Weg und hielten mich länger gefangen als geplant. Somit blieb Angkor Wat weiterhin nur ein Traum. Bis jetzt!


Im Zuge meiner Weltreise habe ich dann natürlich noch einmal Anlauf genommen: aus Bangkok kommend, mit dem Bus nach Kambodscha!


Diesmal zog es mich allerdings nicht nur nach Siem Reap. Ich wollte die Tempel nicht nur im Schnelldurchlauf bestaunen, sondern auch ein paar Tage mehr in Kambodscha verbringen, Menschen treffen und unbedingt auch mehr über die traurige Geschichte des Landes erfahren.


Kambodscha ist viel mehr als Siem Reap bzw. Angkor Wat und auch ich habe in 3 Wochen nur einen sehr kleinen Teil davon kennengelernt. Es ist ein Land, dass vor allem durch seine Menschen strahlt. Die Freundlichkeit, Offenheit und das Lächeln der Kambodschaner heißt dich sofort willkommen. Obwohl ich gerade aus Thailand, dem Land des Lächelns, gekommen bin, hat mich die Herzlichkeit dieses Volkes noch einmal besonders überwältigt.


Und wie ist es mir essenstechnisch ergangen?


Puh, das war leider wirklich manchmal eine Herausforderung: satt zu werden war nie ein Problem,  eher die fehlende Vielfalt fleischfreier (und gesunder) Gerichte. Kambodscha gilt nicht gerade als das vegetarierfreundlichste Land der Welt. Wie so oft in Asien wird tierisches Eiweiß als essentieller Bestandteil einer gesunden Mahlzeit verstanden und in nahezu jedes Gericht integriert. Fisch, der überall zum Trocknen ausgebreitet wird, findest du an jeder Straßenecke. Gegrilltes Fleisch wird gern als Snack zwischendurch gegessen.

Lieblingsabteilung auf dem Markt: Gemüse und Obst im Überfluss

Lieblingsabteilung auf dem Markt: Gemüse und Obst im Überfluss


Jedem Fleischesser sei auch unbedingt der Besuch auf einem traditionellen (nicht-touristischen) Markt empfohlen…danach wird man eventuell zweimal überlegen, ob man das Curry mit oder ohne Fleischeinlage bestellt :-)  Dann doch lieber mit gutem Gewissen zu Papaya, zuckersüsse Melonen, Bananen, Mangos oder einer Kokosnuss greifen.


Apropos Früchte: Pomelos sind hier grandios (am besten gekühlt genießen)! Und falls du bei den unerträglich hohen Temperaturen eine Erfrischung brauchst, leg einfach eine halbe Wassermelone für ein paar Stunden ins Gefrierfach (sofern du eines hast) und löffel diese aus – meine liebster Snack bei diesen Temperaturen!


Die Erwartungen an gewohnten Komfort und westlich orientiertes Essen hast du hoffentlich vor deiner Reise nach Kambodscha bereits angepasst. Die Menschen leben sehr ursprünglich, oft in Bambushütten und von Armut geprägt. Der Tourismus konzentriert sich fast ausschließlich auf größere Städte, Siem Reap mit Angkor Wat und die Inseln im Süden des Landes. Dementsprechend schwierig gestaltet es sich, westliches oder europäisches Essen zu finden – falls man dies anstrebt.  Für mich kein Problem, denn ich liebe Reis. Wirklich. Auch nach über 5 Monaten in Asien.


Reis ist günstig, wird im ganzen Land angebaut und kommt hier als Grundnahrungsmittel morgens, mittags und abends auf den Tisch. Kombiniert mit Fleisch, Gemüse oder kokosbasierten Currysaucen, als Suppe oder gebraten.

Fruits

Fruits, Fruits, Fruits! Mitte: Obstsalat in Battambang / Rechts: Frische Jackfruit


Generell ist Essen in Kambodscha äußerst günstig, 1 bis 2 Euro zahlst du in einer Garküche für ein typisches khmer Gericht, dazu frische Smoothies mit Obst deiner Wahl für 90 cent.  Deutlich teurer isst du in Restaurants, besonders wenn sich diese auf westliches und/oder gesundes Essen spezialisiert haben. Dann kannst du für die rohvegane Variante eines Cheesecakes auch schonmal 3€ zahlen. Aber hey, wer hätte gedacht, dass man so etwas überhaupt dort findet?



Im Gegensatz zu Thailand musst du im Übrigen nicht befürchten, dass dir bei einem „nicht scharf“ bestellten Essen vor Schärfe der Rachen brennt. Es wird viel weniger Chili im Essen verwendet als in einigen Nachbarländern. Generell wird eher sparsam gewürzt, Sojasauce und Chili bekommst du aber grundsätzlich am Tisch gereicht und somit kannst du nach Belieben nachwürzen.


Was kann ich als Veganer essen?


Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Vielfalt der (von Natur aus) vegetarischen oder veganen Gerichte eher begrenzt. Oft wirst du um eine gesonderte Erklärung zu deinem Essen nicht herum kommen. Nichts desto trotz solltest du unbedingt auch die kleinen, oft familiengeführten Lokale besuchen um authentisches khmer Essen zu testen und den Geschmack des Landes kennenzulernen. Ich habe stets in freundliche Gesichter geblickt, selbst wenn ich 10 mal erklären musste, was ich gern auf meinem Teller hätte (leider wird oft wenig englisch gesprochen oder verstanden). In den Städten findest du aber fast immer ein englisches Menü, so dass du dir erstmal einen Überblick verschaffen kannst, was das Angebot hergibt.


Milchprodukten kommen übrigens selten ins Essen,  Desserts können aber oft Eier enthalten. Wenn du ein herzhaftes vegetarisches Gericht bestellst, ist dies zumeist also auch vegan.

Essen im Restaurant


Reisgerichte

Kambodscha_Rice_and_Veggies-side

Reis mit Gemüse. Links: süß-sauer mit Cashewnüssen / rechts: in Currysauce

Weißen Klebereis, als Beilage oder gebraten gibt es überall und immer. Ob mit Gemüse süss/sauer, scharf gewürzt oder als Curry zubereitet.


Nudelgerichte

Wenn mal kein Reis gegessen wird, dann sicher ein Nudelgericht!  Vom thailändischen Klassiker Pad Thai (meist in Restaurants zu finden) bis zu Reis-, Ramen- und Weizennudeln. Aber Vorsicht, die gelben Nudeln enthalten meist Ei, sind daher nicht vegan. Bei Reis(band)nudeln bist du auf der sicheren Seite (diese sind heller, fast durchsichtig).


Suppen

Suppen gehören zu einem festen Bestandteils der khmer Esskultur, werden aber standardmäßig auf Basis von Fleischbrühe zubereitet.  Frag also besser nochmal nach.


Salor Kari Sap

Eines der wenigen, von Haus aus vegetarischen Curries ist Salon Kari Sap.  Dieser Klassiker der khmer Küche wird im Style eines grünen Curries zubereitet. Enthalten ist Tofu, (Thai)Aubergine, Kartoffel und Zwiebeln, die in Kokosmilch gegart, mit Zitronengras und Curry gewürzt und zum Reis serviert werden.


Vegetarisches Amok

Vegetarisch_AmokDu möchtest ein traditionelles khmer Gericht kennenlernen? Dann bestelle vegetarisches Amok! Dieses Nationalgericht kommt standardmäßig mit Fisch (traditionell) oder Hühnchen. Verzichtest du auf beides, kommt das im Bananenblatt gegarte Curry vegan auf deinen Teller. Kokoscreme und zahlreiche Gewürze wie Ingwer, Zitronengras, Tamarinde und Limette geben Amok einen lieblich-würzigen Geschmack ohne Schärfe. Amok wird wahlweise im Bananenblatt oder einer halben Kokosnuss serviert und ist damit definitiv ein Instagram-taugliches Essen.


Bananaflower-Salat

BananaflowerSalat

Links: Bananaflower-Salat / Rechts: Bananenblüte

Die schöne violette Blüte der Bananenpalme wird als Grundlage für diesen Salat verwendet. In zarte Streifen geschnitten erinnert der Geschmack an Kohl oder festen Blattsalat und wird mit Zwiebel und Limette zu einem frischen, knackigen Salat kombiniert.


Morning Glory

Mein Lieblingsgemüse aus Thailand gibt es zum Glück auch in Kambodscha: gegarter Wasserspinat! Einfach und gut.


Papayasalat / Mangosalat

Die Einflüsse von Kambodschas Nachbarland Thailand machen sich auch beim Essen bemerkbar. Den erfrischend, leicht säuerlich schmeckenden Salat aus grünen Papayas bzw. Mangos bekommst du oft als Streetfood oder in lokalen Restaurants, jedoch mit deutlich weniger Chili als im Original aus Thailand. Aber Achtung, du solltest stets darauf hinweisen, dass keine Fisch- oder Austernsauce für das Dressing verwendet werden soll! Bei Straßenständen sollte daher der Salat frisch zubereitet werden und das Dressing nicht bereits vorgemixt sein. On top verleihen Erdnüsse den gewissen Crunch – love it!!

MorningGlory_Papayasalad

Links: Morning Glory / Rechts: Frischer Papayasalat


Frühlingsrollen

…oder Sommerrollen (also unfrittiert) bekommst du in den meisten Restaurants. Mit der vegetarischen Variante der Reispapier-Rollen kannst du nichts falsch machen.


Num Pra Pey Ny

Was der Sticky Rice with Mango in Thailand, ist Num Pra Pey Ny in Kambodscha. Der Klebereis schmeckt hier entweder nach Banane oder Mango und wird im Bananenblatt serviert als Dessert gegessen.


Typisches Streetfood
Streetfood

Links: gegrillte Banane / Mitte: Khmer Sandwich / Rechts: Kralan (Bild: CC BY 3.0)


Khmer Sandwiches

Die Kambodschaner lieben ihr Baguette und preisen es meist als Special Sandwich zum Verkauf an. Was ist drin? Kraut, Gemüsestreifen, Fleisch oder Tofu (meist Fleisch!) sowie eine würzig-süße Sauce. Im Straßenverkauf kann man nicht sicher sein, ob die Soße immer ohne Milchprodukte auskommt. Besser nachfragen oder im Zweifel ohne Sauce bestellen. Als Erbe der französischen Kolonialherrschaft kannst du heute Baguette – als Sandwich oder unbelegt –  übrigens an jeder Straßenecke kaufen.


Gefülltes Bambusrohr – Kralan

Leider hatte ich auf meiner Reise nicht die Gelegenheit dies selbst zu probieren, obwohl ich gezielt nach diesem typisch kambodschanischen Streetfood Ausschau gehalten habe. Kralan bezeichnet ein Dessert aus Klebereis, Kokosmilch und Bohnen, welches in Bambus gefüllt und darin 2 Stunden gegart wird. Zum Essen wird das Bambusrohr dann wie eine Banane geschält.


Kokos-Reisküchlein (Num Krok/Nom Khruok)

Kambodscha_Ricecakes

Ricecakes mit Mangofüllung in Siem Reap

Im Zentrum Siem Reaps habe ich diesen Snack zum ersten Mal gegessen. Wie praktisch, dass die Zutaten in englisch vermerkt wurden (wahrscheinlich kommen zu viele Veganer und fragen sowieso nach ;-) ).  Die Kokosküchlein gibt es mit süßer Füllung wie Mango, Banane oder Mais sowie herzhaft mit Gemüse.

 

Weitere typische Snacks

  • Gebackene Banane: Lecker! Aber nur die Variante ohne Teigmantel ist vegan. Ansonsten: nachfragen!
  • Erdnüsse: werden gedämpft (mit Schale) angeboten, eignen sich als gesunder Snack.
  • Gedämpfte Süßkartoffel: füllend, gesund und einfach gut.
  • Nom korng: Teigringe, die aus Reismehl hergestellt werden und in klebrigen, karamellartigen Zuckersirup getränkt wurden. Nichts für schwache Zähne!
  • Maiskolben vom Grill oder gedämpft.
  • Nom Ga Chai sind aus Reismehl (und ohne Ei) hergestellte Küchlein, in denen Schnittlauch verarbeitet wurde. Innen weich, außen leicht crispy, sollten diese unbedingt heiß und frisch vom Grill mit einem Dip oder Sojasauce gegessen werden!


Links: Nom Ga Chai (Schnittlauch gefüllte Küchlein) / Rechts: typisches Streetfood

Links:  typisches Streetfood / Rechts: Nom Ga Chai (mit Schnittlauch gefüllte Küchlein

In Städten wie Siem Reap, Phnom Penh oder anderen touristischen Regionen des Landes wirst du kaum Probleme haben, vegetarisches/veganes Essen zu finden. Viele Veggie-Restaurants werden von Expats oder NGOs betrieben und bieten vorwiegend westliches Essen und wenig traditionelle Gerichte an. Falls dich das nicht stört oder du einen Auszeit vom Reis brauchst, hast du dort zu entsprechend höheren Preisen oft eine sehr gesunde Menüauswahl abseits von Curry & Co.

Schau dir dazu am besten meinen Vegan Guide für Siem Reap, Phnom Penh und Battambang an!

Do’s

  • Snacks oder Früchte in die Handtasche packen. Es kann vorkommen, dass du nicht überall an veganes Essen kommst (z.B. auf Ausflügen)
  • Grundsätzlich betonen, dass keine Fischsauce und Shrimpspaste verwendet werden soll! Beides gehört zur Grundausstattung vieler Saucen und wird auf dem Menü nicht extra benannt (auch bei  „vegetarischen“ Gerichten darauf achten!)
  • Entscheide dich für Reisnudeln anstatt der gelben Eiernudeln
  • Genieße die Kokosnüsse! Zum Frühstück, Mittag und Abend ist dies die beste Erfrischung bei 34Grad!
  • Sei geduldig! Du hast dich für ein Reiseland entschieden, dass viel zu bieten hat, eine Vielfalt an veganem Essen gehört leider nicht dazu. Du wirst Kambodscha am meisten genießen, wenn du dich von Anfang an auf die lokale Esskultur einlässt und das bedeutet in den meisten Fällen: viel Reis (und Nudeln). Ergänzt mit den exotischen Früchten des Landes solltest du aber auch als Veganer keine Probleme haben, satt zu werden. Kambodscha ist vielleicht kein (veganes) kulinarisches Highlight, besticht aber auf ganz anderer Ebene durch die Kultur und unglaublich herzlichen Menschen. 
Dont’s

  • Erwarte nicht, dass Leute englisch sprechen oder verstehen – lerne das wichtigste auf khmer. (Lies dazu auch meinen Artikel über die besten Apps und Tools zur Verständigung als Veganer im Ausland)
  • Vergiss  „vegan“. Ohne detaillierte Erklärung, was das für dein Essen bedeudet, versteht kaum einer das Prinzip des Veganismus und so landet dann schonmal Hühnchen auf deinem Teller (weil Geflügel oft nicht zum Fleisch gezählt wird…).

Veganfreundlich?
Veganfreundlich?
Eine Vielfalt an veganen Gerichten kannst du leider nicht erwarten, dafür viele einfache Reis- und Nudelgerichte. Früchte, Smoothies und Kokosnüsse wirst du überall finden.
Sojamilch & Co.
Sojamilch & Co.
Leider bekommst du nur in vegetarischen oder veganen Restaurants Kuhmilch-Alternativen. Supermärkte bieten Sojamilch an, achte aber unbedingt auf Inhaltsstoffe, denn in vielen Sorten ist Milchpulver enthalten!

Warst du bereits in Kambodscha? 
Welches Essen ist dir am meisten in Erinnerung geblieben?

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